Die Ursonate

THOMAS KRÜGER als Sprecher ANKE LUCKS Komposition & Posaune POTSA LOTSA

SILKE EBERHARD Altsaxophon PATRICK BRAUN Tenorsaxophon NIKOLAUS NEUSER Trompete GERHARD GSCHLÖßL Posaune 

Konzerte 2020

27.04. Cottbus

23.05. Wuppertal

24.05. Bonn

2017/2018 Konzerte in der Elbphilharmonie Hamburg, Maxim Gorki Theater Berlin, Jazzmeile Thüringen in Weimar, Literaturfestival Meran (Südtirol/Italien), Leipziger BuchmesseStadtgarten Köln, Muffatwerk München, Cabaret Voltaire Zürich (Schweiz), Potsdam Museum, Ilmenauer Jazztage und Sprengel Museum Hannover auf Einladung der Ernst und Kurt Schwitters Gesellschaft Hannover 

2019 Konzert im Schleswig-Holstein-Haus Schwerin auf Einladung der jazzwerkstatt und Eröffnungskonzert ‚100 Jahre‘ Bauhaus in Dessau 

Die Ursonate

100 Jahre später – eine Wiederaufführung
Die Welt spielt verrückt und die Kunst gibt dem Wahnsinn
eine Form. Vor 100 Jahren fanden sich in verschiedenen
europäischen Zentren Künstler und arbeiteten sich an
industrieller Revolution und gesellschaftlichen Konflikten
ab. Klassische Formen von Kunstverständnis reichten nicht
mehr aus. Sie mussten zertrümmert werden. Die Bewegung

trug den Geist des Irrationalen bis in die Welt. Kurt Schwit-
ters schuf mit der Ursonate ein globales Manifest der

Grenzüberschreitungen in künstlerisches Neuland.
100 Jahre später feiern wir Dada erneut. Diesmal deutsch –
deutsch vereint. Nach 40 Jahren getrennter Rezeption mit
kreativen Auseinandersetzungen unter unterschiedlichen
Vorzeichen wird das vereinte Deutschland von einer neuen

Realität eingeholt. 1986 rezitierte Thomas Krüger die Ur-
sonate im Rahmen einer Performance in Leipzig (‚Beiwerk‘

Film, Jörg Herold, courtesy by Galerie EIGEN + ART), schon
damals nahmen junge Kreative die Schwingungen eines
sich auflösenden Systems wahr und setzten sich mit dem
Irrationalen ihrer Umgebung auseinander. Aktuell verfällt
die Welt wieder in Aufruhr, wird chaotisch. Zerstörerische
Kräfte gewinnen zunehmend an Einfluss, Utopien geraten
gegen reaktionäre, rückwärtsgewandte Ideologien in die
Defensive. Mit der medialen Power des Rundfunks, des

Fernsehens, der Printmedien und mit der Urgewalt des Inter-
nets erleben wir eine Verwurstung von Botschaften und

Inhalten.

Die Ursonate scheint heute aktuell wie nie! Erstmalig musi-
kalisch bearbeitet, wird die Ursonate von dem Bläserquintett

Potsa Lotsa (Silke Eberhard, Patrick Braun, Nikolaus Neuser,
Gerhard Gschlößl, Anke Lucks) aufgeführt. Anke Lucks
schafft es mit dieser Bearbeitung, dem Kunstwerk eine
weitere schöpferische Facette hinzuzufügen. Der Text in der

Rezitation von Thomas Krüger, hat nichts an seiner Aussage-
kraft und Intensität verloren. Die aktuelle Aufführung gibt

dem Werk eine zeitübergreifende Dimension. Dadaismus
lebt und hat sein kreatives Potential, seine Aktualität, über
100 Jahre hinweg behalten. .
………………………. Götz Lehmann, 17. August 2017